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Jule im neuen zu Hause

im neuen Heim
Jule geb. 13.08.07 lebt jetzt bei Antje & Wolfgang (vorher Besitzer einer Kangalmix-Hündin und eines Schäferhundes), Email vom 12.12.07:

Hallo, liebe Brandt's,

ich will Euch wenigstens kurz mitteilen, dass unsere Begeisterung keine Grenzen hat!!! - Wolfgang diskutiert gerade mit Jule, ob man nun Schuhe klaut oder nicht - wir sind also alle Drei glücklich.

Jule hat anfangs mächtig gestaunt. Inzwischen schläft sie nachts meistens im Schlafzimmer, hat auch keine Angst mehr vor den 4 Stufen, läuft super an der Leine und macht Sitz - wenn sie will. Wenn wir nicht da sind, ist sie draußen und buhlt um die Katzen. Sie stehen regelmäßig Nase an Nase, fauchen aber noch immer. Aber sie kennen sich ganz gut und sehen Jule höchstens als Störfaktor, nicht als Bedrohung.

Ihre zweite Impfung haben wir gleich am 2.12. zum Gaudi der ganzen Tierarztpraxis machen lassen. Sie wollte natürlich nicht rein, so dass Wolfgang sie zuletzt doch tragen musste. Dann saß sie nur noch auf der Waage und rührte sich nicht.

Bei unserer täglichen Runde durch die Weiden und das Dorf bleibt sie erstaunlicher Weise ständig in unserer Nähe. Schafe und Hühner nimmt sie zwar war, sind aber nicht jagenswert. In diesen Punkten ist sie das korrekte Gegenteil zu unserer Baby. Vom Wesen her ist sie zwar sanfter als Baby war, ansonsten ihr aber so ähnlich, dass wir sogar manchmal die Namen verwechseln.

Was uns verblüfft hat: Sie versteht eigentlich alles sofort beim ersten Mal - und entscheidet dann, ob sie das auch macht, was sie soll. Aber das Verstehen ist offensichtlich: der Name, draußen pullern, Schlafplatz, Sitz und NEIN, an der Leine laufen und in der Wanne baden ist liegend am schönsten. - Alles was man ziehen oder schleudern kann, ist möglichst Beute, aber nichts wird kaputt gemacht. Nur beim Zeitunglesen bleibt ein Puzzle übrig.

Ihr seht: Wir sagen uns jeden Tag, dass es richtig war, so schnell einen neuen Hund zu holen. Und wir stellen täglich fest, dass Jule ein Schatz ist und mich bestimmt Baby und Jerry Lee auf Eure Webseite gelockt haben! - Schäferhund hat sich also restlos erledigt! Bitte plant unbedingt von Eueren angekündigten "Christkindln" einen Jungen für uns ein!!! Einen "großen Kerl" traue ich mir bei meiner mimosenhaften Katzen-Gräfin sicherlich nicht. Und da sie die ersten 8 Jahre ihres Lebens nur auf der Flucht war, empfinde ich eine gewisse Schuld ihr gegenüber, obwohl ich ja nichts dafür kann. Aber ich habe sie eben aus ihrem zerstörten Chaos geholt und hierher verpflanzt.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr uns schon jetzt sagen könntet, ob wir uns im März "Verstärkung" holen können! - An dieser Stelle: Euch samt Familien und allem Getier ein schönes Weihnachtsfest!!!

Viele Grüße aus dem Landkreis Köthen -

Antje, Wolfgang und Jule

Jule

Email vom 26.01.2008 - Was macht Jule jetzt?

Hallo, Ihr Lieben,

Jule geht es prima und somit uns auch. Wie die Fotos zeigen, ist sie jetzt schon ein großes Mädchen.

Hier einige der neuesten Nachrichten bzw. eine Kurzfassung der letzten 4 Wochen und ein bissel mehr. Silvester konnte Jule gar nicht beeindrucken.. Sie hat während der Knallerei mal gebellt, war aber nicht verängstigt. Ihre Schüchternheit gegenüber Fremden, die wir auf unserer Runde treffen, ist vollständig weg. Sie ist ausgesprochen freundlich und freudig. Allerdings: ihr Zuhause wird verteidigt. Wenn jemand am Tor oder auf der Straße viel Bewegung ist, kündigt sie ihre Anwesenheit an. Und dann probt sie auch erfolgreich Knurren und Bürste bis zum Hintern!

Jule freut sich über jedes Getier. Nachbars Schafe sind natürlich interessant. Sie läuft auch mal hin ggf. hinterher, jagt oder hetzt sie aber nicht. Fremden Hunden gegenüber könnte sie ruhig weniger arglos sein. Also übernehmen wir diesen Part. Unsere 4 Katzen liebt sie noch immer. Leider hat sich da in umgekehrter Richtung bisher nicht viel getan. Meine Gräfin ist die einzige, die Jule nicht mehr angiftet, obwohl sie von Jule schon ein paar Male regelrecht gebügelt wurde. Bei ihren 3 Kindern ist sie nicht annähernd so tolerant! Wenn Bonnie schlechte Laune hat, bekommen alle 3 schon prophylaktisch ein paar verwinkt, wenn sie an ihr vorbei wollen. Aber Freundschaft zu Jule ist das trotzdem nicht. Die 3 Katzenkinder fauchen, spucken und hauen alle. Wobei es Ronja (die schwarze Tigerin) und Speedy (der Dreibeinige) ziemlich ernst meinen. Strolch (der silberne Tiger) spielt den mutigen Macho. Er zieht zwar auch alle Drohregister, plustert sich aber weder auf, noch macht er einen Buckel. Mit ihm spielt Jule sogar das glaubt sie zumindest. Sie vermutet offensichtlich, das Spiel heißt Hauen und Stechen. Also verpassen sie sich gegenseitig Ohrfeigen. Ich glaube, Strolch verzichtet dabei meist auf die Krallen, sonst wäre Jules Nase häufiger gepunktet. Julchen hat sich anfangs über diesen merkwürdigen Schlagabtausch gewundert, freut sich aber inzwischen, dass er überhaupt mit ihr spielt.

Zu unserer Verblüffung zieht Jule bereits seit Mitte Dezember mindestens alle 3 Tage eine Nachtschicht durch. Dann heißt es spätestens um 22 Uhr: Leute, es wird zeit! Macht Euch in die Falle und ich gehe aufpassen! Sie verschwindet auf dem Hof in ihrer Hütte (ein umgekipptes Hasenhaus, also die Vorderfront voll offen) und hat alles im Blick. Meist bleibt sie dann dort bis gegen 4 oder 5 Uhr. Ich hätte nie geglaubt, dass ein Hund, der die Wahl hat, freiwillig draußen Wächter spielt und erst recht nicht in diesem Alter.

Wenn wir beide auf Arbeit fahren, bleibt sie natürlich draußen. Sie hat das vom ersten Tag an begriffen und das Alleinsein völlig ohne Theater akzeptiert. Auch das haben wir nicht einmal zu hoffen gewagt. Für uns ebenfalls verwunderlich ist, dass Jule meist nicht scharf darauf ist, auf Runde zu gehen. Natürlich kommt sie mindestens aus dem Grunde mit, um uns einen Gefallen zu tun. Gehe ich mit ihr alleine, kann es durchaus passieren, dass sie sich nach 200 m einfach hinsetzt und wir uns einigen müssen. Sind wir dann endgültig auf dem Weg, ist sie fast immer um uns oder mich rum, maximal 10 m davor oder dahinter. Auf dem Rückweg wird sie immer schneller. Und dabei kann es auch passieren, dass sie Nachbars Schafe auf der Weide besucht. Richtig glücklich ist sie, wenn wir wieder zuhause angekommen sind. Dann rast sie vor Freude ein paar Runden und pullert.

Ihre beste Freundin ist unsere Nachbar-Hündin, eine ca. 2-jährige Gordon-Setterin, total verrückt und wie ständig unter Strom. Normalität war, dass wir uns nicht draußen in der Aue oder bei den Weiden getroffen haben, sondern beide Weiberchen am Zaun hoch und runter tobten. Leider sind Coras Menschen nicht darauf erpicht, beide draußen miteinander toben zu lassen. Cora ist aber nicht blöd.  Sie hat vor ca. 3 Wochen raus bekommen, wie und wo sie unter ihrem Maschendraht durch kommt. Somit flogen uns also regelmäßig zwei total mistige Hunde entgegen, wenn wir nach Hause kamen und alle Katzen waren auf Tauchstation. Nach ein paar Tagen fanden wir das nicht mehr so ganz lustig! Dazu kam, dass Cora zum Schluss genau wusste, wann wir uns vom Acker machen. Die muss schon auf der Lauer gelegen haben. Und nach stundenlangem Dauertoben war Jule nachmittags fix und alle. Seit letztem Wochenende ist der Zaun nun zum Glück zu und wir können wieder unfallfrei und mit sauberen Klamotten das Grundstück betreten.

Und noch etwas an Jule ist anders, als wir es von Hundewelpen kennen: Sie klaut alle Schuhe, Lappen, Handtücher, Socken usw., macht aber absolut nichts davon kaputt. Überhaupt sind wir schadenmäßig bisher so glimpflich davon gekommen, dass es schon fast kurios ist. Jules Ansichten: Papier wird zum Puzzle umgearbeitet, Flohkämme kann man sehr wohl auch fressen, Hockerbeine aus Holz lassen sich sowohl zu Steichhölzern verarbeiten als auch mit Ornamenten versehen und Kamelien müssen nicht im Schatten wachsen, die vertragen bestimmt auch Sonne. Also alles Pillepalle (außer meine Kamelien, jetzt steht nur noch eine von vieren)!

Vorgestern Abend gab es einen Machtkampf mit Seltenheitswert. Beim Fernsehen wir faul auf Couch und Sessel; Jule gelangweilt auf der Suche nach Blödsinn sprang ihr ein Stoffuntersetzer auf dem Couchtisch ins Auge, der zum Zeitvertreib dienen sollte. Wolfgang legte sein Veto ein und Jule überlegte. Zweiter Versuch, gleicher Ablauf. Beim 3. Versuch wuchsen Jule langsam Hörner und beim 4. hätte sie am liebsten aufgestampft. Wolfgangs Veto bei Jules 5. Versuch beinhaltete die Androhung von Haue, was Jule mit zornigem Andeuten von Knurren kommentierte. Es gab auch noch Runde 6 und 7  natürlich ohne Haue aus Jules Hörnern war zum Schluss ein Geweih gewachsen. - Dann gab sie schlagartig auf und warf sich in ihrer typischen Art (mit Wucht anschmiegen bis es nicht mehr weiter geht und sie irgendwann umfällt) an Wolfgangs Brust.

Übrigens ist Jule von ihrer "Umfall-Krankheit" noch immer nicht genesen. Nach wie vor kriecht oder robbt sie an Stellen, wo die Entfernung ein Aufstehen nicht lohnenswert macht. Und das können durchaus 2 m sein. Und nach wie vor lässt sie sich einfach fallen, wenn sich ein Nicht-Kangal-Hund setzen oder hinlegen würde. Die "Umfall-Krankheit" ist für Jule offensichtlich effektiver. Anderseits kann sie noch immer unhörbar leise laufen. Manchmal bemerken wir sie erst, weil sie mit schniefen anfängt oder pupst.

Resümee: Jule ist ein absoluter Schatz!!!

Vielleicht hier auch einmal ein paar Preisgaben meines Innenlebens: Ich liebe Wölfe. Oft habe ich darüber nachgedacht, was die Ursache sein könnte. Mich beeindruckt an dieser Spezies, dass sie ein ununterdrückbares Freiheitsbedürfnis haben, normaler Weise keine Einzelgänger und natürlich keine Killer sind. Sie sind ehrlich, gerecht, unbestechlich und nicht zu verbiegen, intelligent und stark. Das funktionierende Rudel ist selbständig und das perfekte Team. Dadurch können sie sich ihre Unabhängigkeit erhalten und überleben und haben keine Feinde (außer leider uns Menschen).

Einem Wolf hier in unserer Region die menschliche Partnerschaft aufzwingen zu wollen, ist schwer möglich, riskant und nicht fair. Dann würde ich alles, was mich so beeindruckt, missachten. Also ist mein Hunde-Splean der Ersatz. Mein absoluter Favorit war über Jahrzehnte der DSH. Mich dabei als Fan zu bezeichnen, trifft sicher voll zu. Jetzt sieht das für mich total anders aus! Selbstverständlich ist auch heute noch der Schäferhund für mich ein toller Hund. - Aber jetzt kenne ich den Kangal! Sicher, Jule haben wir erst 8 Wochen. Trotzdem behaupte ich, dass alle Eure beschriebenen Wesens- und Rassemerkmale auf Eurer Web-Site ins Schwarze treffen! Bei Jule zeichnet sich das bereits markant ab. Und unsere Baby hatten wir zuvor wenigstens die 10 Jahre, auch wenn wir sie damals nicht für einen Kangal-Mix gehalten haben. Jetzt ist es mir auch möglich, Baby zu verstehen. Ich hatte oft gesagt, dass ihr Wesen weder dem Schäferhund, noch der Dogge entspricht. Ich konnte ja nicht ahnen, wie viel recht ich hatte.

Wenn ich nun DSH und Kangal mit meinem Wolf vergleiche, habe ich mit dem Kangal genau das gefunden, wovon ich bis vor kurzem nicht wusste, dass es das gibt!!! Mehr Wesensähnlichkeit zu einem Wolf bei einem Hund kann es gar nicht geben.

Weiter beeinflusst mich stark die Tatsache, dass der Kangal nicht vermenschlicht und nicht als geldbringendes Produkt überzüchtet ist. Somit ist er nicht von vornherein mit rassetypischen Erbkrankheiten belastet. Es ist schrecklich, einen tollen Hund mit 13 Jahren ausschließlich wegen HD einschläfern lassen zu müssen, wenn er sonst kerngesund ist! Von wegen: schönes Alter! Jerry Lee hatte so gut funktionierende Organe, dass der Tierarzt ihm noch etliche Jahre in Aussicht gestellt hat. Aber die Hüftgelenke waren praktisch nicht mehr vorhanden, Spritzen halfen nicht mehr und eine OP hätte er schon vor Einsamkeit in der Klinik nicht überlebt.

Ich glaube, der Kangal hat bereits seine eigene Fangemeinde und ich hoffe, er mutiert nicht zum Modeartikel. Außerdem hoffe ich, dass jeder, der sich einen Kangal anschaffen möchte, die Besonderheiten dieser Rasse kennt und vor allem akzeptieren kann!

So, nun ist es mehr geworden, als nur die neuesten Nachrichten. Einiges hatte ich sicher auch schon einmal erzählt, ist aber bestimmt nicht schlimm.

Ein schönes WE -

Antje, Wolfgang und Jule

Jule im neuen zu Hause

Jule beim Spielen

Beim Spaziergang

Jule